Die Geschichte des Webdesign

Als der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee gegen Ende der 1980er Jahre am Kernforschungszentrum CERN die Hypertext Markup Language ("HTML") und das Hypertext Transfer Protocol ("HTTP") entwickelte, wollte der Forscher damit die Kommunikation zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen in aller Welt erleichtern. Dass er damit zum Schöpfer des heute wichtigsten Kommunikationsmittels der Welt werden würde, hätte sich der damals Mittdreißiger wohl nicht träumen lassen. Berners-Lees Erfindung verbreitete sich rasch und sollte schon bald nicht mehr nur zum wissenschaftlichen Austausch zur Verfügung stehen, sondern für private und kommerzielle Zwecke genutzt werden. In den folgenden Monaten gingen immer mehr Server "ans Netz", wodurch das Angebot an Inhalten, die über das "World Wide Web" rund um den Globus ausgetauscht wurden, rasant wuchs. Das war nicht nur der Durchbruch der Internets, sondern auch der Beginn des kreativen Webdesigns.

Die Anfänge des Webdesign

Zu Beginn der 90er Jahre setzten sich Websites vornehmlich aus HTML-Dokumenten zusammen, die ausschließlich aus Text bestanden und noch über keine besondere Formatierung verfügten. Der erste Webbrowser zum Betrachten von Websites trug den Namen "WorldWideWeb" und stammte wie HTML und HTTP aus der Feder von Tim Berners-Lee. Der Webbrowser unterstützte zwar bereits die sogenannten Stylesheets zur Gestaltung von Web-Dokumenten, in Websites eingebundene Grafiken konnte er aber nur durch einen zusätzlichen Klick in einem separaten Fenster öffnen. Er verfügte allerdings noch über eine Besonderheit: "WorldWideWeb" konnte nicht nur Web-Dokumente anzeigen, sondern diente gleichzeitig auch als Editor für HTML-Dokumente, mit dem erste, rudimentäre Websites gebaut werden konnten.

Mit dem stetig zunehmenden Angebot kommerzieller Web-Angebote wuchs auch die Konkurrenz auf dem Markt für Webbrowser. Gab es zu Beginn nur nicht-kommerzielle Browser, machten sich schon bald Großunternehmen wie Microsoft ("Internet Explorer") und Netscape ("Navigator") gegenseitig Marktanteile streitig. Microsoft legte Mitte der 90er Jahre auch den Grundstein für die von jedermann durchführbare Webgestaltung mittels WYSIWYG-Editor ("What-You-See-Is-What-You-Get"). Mit einer visuellen, leicht verständlichen Oberfläche boten Editoren wie "Front Page" von Microsoft oder "Dreamweaver" und "GoLive" von Adobe die Möglichkeit, auch ohne fundierte Kenntnisse in Webdesignkomplexe Layouts zu erstellen. 

Die teils kostenlos und teils kostenpflichtig offerierten Programme enthielten bereits verschiedene Vorlagen, mit denen sich Websites in wenigen Schritten "zusammen klicken" ließen. Der Anwender musste lediglich noch das Farbschema und die Schriftarten auswählen sowie Bilder und Texte beisteuern. Software wie "Front Page" ermöglichte darüber hinaus eine einfache Verwaltung von kleinen bis mittelgroßen Web-Projekten. Rückblickend betrachtet haben die Editoren zwar den Einstieg inprofessionelles Webdesign erleichtert, allerdings haben sie auch einen - aus heutiger Sicht - sehr aufgeblähten Quellcode produziert, der nur selten W3C-konform war.

Die Zeit der Do-it-Yourself-Homepage-Baukästen

Noch bevor die erste Webdesign Agentur gegründet wurde, begann Mitte der 90er Jahre die Hochzeit der Homepage-Baukästen. Anbieter wie GeoCities ermöglichten erstmals jedem Internet-Nutzer, mit Hilfe eines Online-Editors eine kostenlose Homepage zu erstellen. Auch hier kamen - allerdings webbasierte - WYSIWYG-Editoren zum Einsatz, mit denen sich Vorlagen auswählen, mit Bildern und Texten bestücken und direkt auf dem zumeist werbefinanzierten Gratis-Webspace veröffentlichen ließen. Bereits erfahrene Nutzer konnten auch selbst in den HTML-Quellcode eingreifen und frei Änderungen vornehmen.

Neue Technologien und Trends

Während sich zu Beginn der 90er Jahre die Möglichkeiten zur Gestaltung von Websites auf wenige Elemente wie bunte GIF-Bilder und niedrig aufgelöste Fotos beschränkten, fand gegen Ende der 90er Jahre mit der Veröffentlichung von Macromedia Flash eine wahre Webdesign-Revolution statt. Mit Hilfe der ehemals als "FutureSplash" bekannten Software ließen sich interaktive Websites, komplexe Animationen und Spiele ins Netz stellen. Lange Zeit war Flash auch beliebt, um Web-Videos wiederzugeben. Für die Anzeige im Webbrowser des Nutzers war und ist allerdings ein Plug-in nötig, weshalb die seit Mitte der 2000er Jahre zu Adobe gehörende Software von Webdesignern vermehrt durch HTML5 ersetzt wird.

Ein weiterer Trend, der sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr durchgesetzt hat, ist die Abkehr vom tabellenbasierten Design hin zum Webdesign mit Cascading Style Sheets ("CSS"). Solche CSS-Dateien erlauben leicht skalierbare, schnell und einfach änderbare und semantisch korrekt ausgezeichnete Quellcode-Gerüste. In einem derartigen "Semantischen Web" sollten Tabellen nur dafür eingesetzt werden, wofür sie auch ursprünglich gedacht waren: Zur Anzeige von tabellarischen Auflistungen.

Webbrowser und Standards

Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Dieses Sprichwort trifft auch auf ein Problem zu, welches Webdesigner seit den Anfängen des WWW beschäftigte. Eine gemäß der vom W3-Konsortium ausgegebenen HTML-Standards erstellte Website musste noch lange nicht in allen verfügbaren Webbrowsern identisch aussehen und nutzbar sein. Das Problem: Nicht alle Browser hielten sich uneingeschränkt an die ausgegebenen Standards. Insbesondere Microsofts "Internet Explorer" kochte lange Jahre sein "eigenes Süppchen". Erst mit Hilfe des "Web Standards Project" konnten die führenden Browserhersteller dazu bewegt werden, sich an die definierten Standards zu halten und so ein einheitliches Webdesign zu ermöglichen. Kleinere Unterschiede zwischen den Browsern gibt es auch heute noch, sie lassen sich allerdings durch sogenannte "Browserweichen" umgehen, bei denen für jeden Browser ein eigenes Stylesheet ausgeliefert wird.

Responsive Webdesign

Durch die immer weiter zunehmende Internet-Nutzung auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets werden auch die Anforderungen an professionelles Webdesign immer umfangreicher. Während Web-Entwickler ihre Websites damals nur für die Anzeige auf großen Desktop-Screens optimieren mussten, gibt es heute eine Vielzahl verschiedener Displaygrößen und -Auflösungen, die alle mit derselben Nutzererfahrung versorgt werden wollen. Das Zauberwort, um dieses Ziel zu erreichen, lautet hier "Responsive Webdesign".

Der Begriff bezeichnet die Entwicklung einer Website, die sich unter Zuhilfenahme moderner Webstandards wie HTML5, CSS3 und JavaScript automatisch an das Display des Nutzers anpassen und dabei auch auf dem kleinsten Display noch mit möglichst geringen Einschränkungen nutzen lässt. Das gilt insbesondere für die Nutzung einer Website auf einem Endgerät mit Touchscreen. Nicht-responsive Websites können zum Beispiel durch zu kleine Hyperlinks oder zu eng beieinanderliegende Elemente Probleme bei der Navigation mit einem Touchscreen bereiten.

Hohe Anforderungen an professionelles Webdesign

Noch nie wurden so hohe Anforderungen an professionelle Web-Entwickler gestellt, wie es heutzutage der Fall ist. Die Ursache dafür ist vor allem die rasante Diversifizierung der Endgeräte. So müssen auch komplexe Webapplikationen wie E-Commerce-Anwendungen für den gleichzeitigen und möglichst uneingeschränkten Einsatz auf einer Vielzahl von Screens wie Smart-TVs, Notebooks, Smartphones, Desktop-PCs und Tablets fit gemacht werden. Dabei sind Kenntnisse in Webtypografie, HTML5, CSS und Javascript -Technologien wie zum Beispiel jQuery unabdingbar. Mit der Gestaltung einer Website für einen Screen ist es heute nicht mehr getan, so dass v.a. im kommerziellen Bereich die Beauftragung einer Webdesign Agentur oftmals unumgänglich ist.